Amsel Alarm

Eine bewegende Vogelbegegnung

Vor einigen Tagen machten wir in der Früh im Garten einen traurigen Fund. Ein toter, zerrupfter Vogel. Einige schwarze Federn waren noch übrig. Nachbars Katze war leider erfolgreich bei der Jagt. Auch an den zwei nächsten Tagen, wieder ein toter Vogel und auch eine tote Eidechse. Wie traurig. Diese blöden Katzen, denke ich. Und doch ist es der Lauf der Dinge. Die Katze folgt auch nur ihrem Instinkt.

Am Tag darauf sitze ich auf einer Bank ganz in der Nähe des Teiches und werde plötzlich aufmerksam auf etwas im vertrockneten Schilf. Zwei Augen blicken mich an, rundherum ein riesen Schnabel….ein putziges kleines Federtierchen.

Ganz berührt beobachte ich es. Langsam beginne ich mir Sorgen zu machen, ob es verletzt ist. Es schaut zwar kräftig aus und macht keinen schwachen Eindruck, fliegen scheint es aber nicht zu können. Es bewegt sich lange Zeit nicht, doch dann hüpft es doch am Boden herum. Die Retterin in mir ist hellwach und bereit alles zu tun, um diesem kleinen Geschöpf zu helfen. Doch was braucht es?

Gemeinsam mit meiner Familie beratschlagen wir uns. Alle sind ganz aufgeregt. Es dämmert uns langsam. Es könnte ein Amsel Mädchen sein und die toten Vögel der letzten Tage seine Geschwisterchen. Ist es aus dem Nest gefallen? Sind die Eltern noch da? Braucht es was zu essen? Zu trinken?

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Kannst du das Amselmädchen entdecken?

Soweit wir uns erinnern suchen Amseln am Boden nach kleinen Tieren zum Fressen. Das machen wir auch. Wir heben große Steine auf, um Asseln zu finden und graben im Kompost nach Regenwürmern.

Aber wie wollen wir den Vogel füttern? Wir versuchen es mit einer Pinzette und imitieren die Vogelmutter. Doch das Kleine ist verschüchtert und nimmt unser Nahrungsangebot nicht an.

Wir recherchieren dann doch im Internet und finden auf einer  Vogelschutzseite sehr hilfreiche Informationen. Es handelt sich bei solchen Vogelfunden selten um verwaiste Tiere. Die Jungvögel verlassen mit fast flugfähigem Gefieder das Nest und halten sich dann noch für einige Tage am Boden auf. Sie werden weiterhin von ihren Eltern versorgt. Man sollte hier auf keinen Fall eingreifen.

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Wir ziehen uns zurück und beobachten. Das Amselmädchen gibt immer wieder Laute von sich. Es dauert schon einige Zeit, doch irgendwann erblicken wir ein Amsel Weibchen. So schön zu sehen, wie vorsichtig sie sich anpirscht. Erst fliegt sie auf den Baum in der Nähe, dann wieder ans andere Ufer, dann wieder auf die Wiese, bevor sie sich zum  Vogeljungen begibt. Auch der Amsel Vater ist in der Nähe. Die Mutter fliegt weg, doch es dauert nicht lange, bis sie wieder, diesmal von einer ganz anderen Richtung mit  Nachschub einfliegt.

Wir sind glücklich, dass das Kleine versorgt wird und wir das ganze beobachten dürfen.

Doch dann kommt die nächste Frage. Was ist mit der Katze in der Nacht? Die findet es bestimmt. Sie zieht immer durch unseren Garten! Sollen wir das Amseljunge verstecken? Oder mit einer Kiste schützen? Was ist dann mit den Eltern? Sie würden dann auch nicht mehr zum Vogelkind kommen. Wieviel Stress bedeutet das für alle?

Aber die Katze würde es töten. Hm

Gar nicht so leicht hier ein vernünftiges Vorgehen zu finden. Wir entscheiden uns das Vögelchen an seinem Platz zu lassen und eine Kiste darüber zu legen, damit es vor der Katze geschützt ist. Und siehe da, die Katze biegt um die Ecke und wandert schnurstracks auf die Kiste zu. Mit wildem Geschrei erschrecken und verjagen wir die Katze.

Aber auch unsere Sorge wegen den Vogeleltern war berechtig, sie rufen recht laut und regen sich auf bis es dann ganz dunkel ist.

In der Früh nehmen wir die Kiste gleich weg. Es dauert 20 Minuten, bis sich die Vogelmama zum Kleinen traut. Aber immerhin, sie kommt danach eifrig mit Futter. Erstaunlich, wie vorsichtig sie sind.

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Im Laufe des Tages ist das Amselmädchen dann verschwunden. Wir sind ganz erleichtert, als wir es in der Böschung wieder sichten. Doch wenig später werden wir durch einen lautstarken Alarmruf der Amseleltern hellhörig. Die Katze! Sie hat das Kleine schon in ihren Pfoten. Gerade kann es von uns noch gerettet werden, weil wir die Katze verjagen. Wie aufregend.

Ein paar Stunden später ist das Amselmädchen weg.

Wir sehen es nicht mehr. Wir hören es nicht mehr.

Hm, aber toten Körper haben wir auch keinen gefunden.

Vielleicht kann es jetzt ja fliegen?

Auch die Tage danach, keine Spur vom Amselküken.

Was bleibt nach dieser Erfahrung, ist ein tiefer Respekt, vor all den Amseln.

Welchen Gefahren sie ausgesetzt sind bis sie groß sind!? Die Hingabe der Eltern und auch die Ohnmacht, wenn ein Raubtier kommt, berührt mich. Sie können ihre Jungen nicht weg tragen wie eine Katze oder ein Eichhörnchen. Auch meine Ohnmacht möchte ich anerkennen, es nicht immer leicht etwas zu schützen und doch ist es die Mühe wert.

 

 

 

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